Sonntag, 1. Dezember 2013


Erfolgreiche Gestaltung des demographischen Wandels

 

Die erfolgreiche Gestaltung des demographischen Wandels ist
eine Herausforderung vor der nahezu alle Unternehmen stehen.
Eine moderne und vor allem demographieorientierte oder treffender demographiefeste Personalarbeit benötigt dazu passgenaue Instrumente und Maßnahmen.
Demographiefest heißt, die betriebliche Personalstruktur zu betrachten und daraus Schlüsse für die Personalarbeit zu ziehen.
Eine ausschließliche Fokussierung auf das Alter ist hierbei jedoch nicht zielführend. Vielmehr sollte auch die Vielfalt und Unterschiedlichkeit der Beschäftigten und das Konzept der ausgewogenen Personalpolitik z. B.hinsichtlich des Geschlechts, der Nationalität/Kultur, des Familienstands, der Erfahrungen, der Arbeitszeit und der Qualifikationen
Berücksichtigung finden.
 
Mit praxiserprobten Vorgehensweisen, Verfahren und Instrumenten zur Analyse, Planung und Gestaltun werden die Handlungsfelder Personalgewinnung, -entwicklung und -einsatz, Gesundheitsschutz
und Gesundheitsförderung, sowie Unternehmenskultur und schließlich der Übergang in die Rente einbezogen.
 
Befasst man sich aus betrieblicher Sicht mit dem demographischen
Wandel, so sollte am Beginn wie bei jeder strategischen
Planung eine Ist-Analyse der derzeitigen Situation stehen. Im
Rahmen des demographischen Wandels kann es sich dabei um
eine sogenannte Altersstruktur- oder Demographieanalyse
handeln.Diese  liefert wichtige Informationen, wirft zugleich jedoch auch bedeutende Fragen auf, wie:
-       Sind die Tätigkeiten auch von einer zukünftig deutlich älteren
Belegschaft durchzuführen?
-       Liegen die richtigen Qualifikationen für die Herausforderungen
der Zukunft vor?
Um diese und andere Fragen zu beantworten, werden die Daten
der betrieblichen Altersstruktur kombiniert mit anderen betriebsspezifisch
ausgewählten Variablen, wie z. B. Geschlecht, Fehlzeiten, Betriebszugehörigkeitsdauer, etc. erhoben. Auf Grundlage der so
erhobenen Daten können Berechnungen der zukünftigen Personalsituation
vorgenommen werden.
 
 
Auf Grundlage der gewonnen Erkenntnisse einer Altersstrukturanalyse
(z. B. wieviele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wann
benötigt werden? Welche Qualifikationen erforderlich sind?)
sind bereits erste Strategien für die Personalgewinnung festzulegen.
Die bedeutendste Rekrutierungsstrategie vieler Unternehmen
ist nach wie vor die eigene Ausbildung. Neben der richtigen Ansprache
der potentiellen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommt vor allem
der
Positionierung als attraktiver Arbeitgeber eine bedeutende Rolle
zu. Eine
Studie aus dem Jahr 2009 zeigt, dass sich Studierende bei der Wahl des Arbeitgebers vor allem ein gutes Kollegium, eine sichere
Arbeitsstelle, einen angemessenen Führungsstil und Entwicklungsmöglichkeiten wünschen, bei denen auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf berücksichtigt wird.
 
Als zentral im Prozess der Personalentwicklung können Mitarbeitergespräche genannt werden. Diese sollten möglichst mit
dem Start in die Berufstätigkeit beginnen und nicht erst bei
Auftreten von Leistungseinschränkungen, Konflikten etc..
Mitarbeitergespräche können je nach Zielsetzung unterschiedlich
ausgestaltet sein. In Form eines sogenannten Entwicklungsgesprächs
bieten sie die Möglichkeit, die Berufslaufbahn kontinuierlich gemeinsam mit der/dem Beschäftigten lebensphasen-
und ereignisorientiert zu planen. In Abhängigkeit von
betrieblichen oder persönlichen Entwicklungswünschen und
-erfordernissen werden z. B. folgende Fragen beantwortet:
- Können, sollen oder müssen andere Aufgaben übernommen werden?
- Ist eine Qualifizierung oder Weiterbildung notwendig?
- Sollte die Arbeitszeit angepasst werden?
- Bietet das Unternehmen der/dem Beschäftigten
  Einsatzmöglichkeiten bis zum Ende seines/ihres Erwerbslebens?
 
Speziell der Übergang in die Rente wird heute noch von Unternehmen
als gestaltbarer Prozess vernachlässigt. Dabei entstehen
gerade in dieser Zeit große vermeidbare Verluste hinsichtlich
der Motivation, der Leistungsfähigkeit und des Wissens.
 
Der Zeitraum bis zum Ruhestand sollte daher bei älteren Arbeitskräften
in sogenannten Zukunftsgesprächen einvernehmlich
geplant werden. Für demographieorientierte Mitarbeitergespräche – sei es in Ausprägung von allgemeinen Entwicklungs- oder speziellen Zukunftsgesprächen – liegen vielfältige Handlungshilfen und Leitfäden zur Durchführung der Gespräche vor. Diese geben eine gute Orientierung zur Gesprächsstruktur sowie zur Vor- und Nachbereitung. Vorkenntnisse und Übung in der Gesprächsführung sind notwendig.
Zeigen sich in Mitarbeitergesprächen auch bei älteren Beschäftigten
Weiterbildungsbedarfe – z.B. aufgrund eines neuen
Aufgabenzuschnitts infolge von Restrukturierung, neuen Technologien,
gesundheitsbedingter Leistungseinschränkung o. ä.
– sollte diesen mit einer alternsgerechten Weiterbildung und
Qualifizierung begegnet werden.
 
Der Personaleinsatz sollte generell so gestaltet sein, dass alle
betriebsrelevanten Aufgabenbereiche und Tätigkeiten auch
langfristig abgedeckt werden können und sich gleichzeitig die
Arbeit für die Beschäftigten gesundheitsschonend und lernförderlich
gestaltet. So profitieren Mensch und Unternehmen
nachhaltig.
 
Weitsichtige Unternehmen nehmen den Erhalt und die langfristige
Sicherung der Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit in
den Blick. Sich wandelnde wirtschaftliche Rahmenbedingungen
und die zunehmende Alterung der Belegschaften macht eine
Förderung der Humanressourcen unabdingbar.
 
Gelingt eine optimale Verzahnung und Abstimmung dieser Felder,
kann sowohl das Wohlbefinden der Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter als auch die Produktivität des Unternehmens von
den durchgeführten Maßnahmen profitieren.
 
Im Zuge gesellschaftlicher Entwicklungen – so auch durch den
demographischen Wandel – werden Belegschaften „bunter“
und es verändern sich die Gewichtungen in der Belegschaftszusammensetzung
(z. B. höherer Anteil Älterer, Frauen, Menschen
mit Migrationshintergrund, Akademiker/-innen etc.). Eine von
gegenseitiger Wertschätzung geprägte Unternehmenskultur
trägt dazu bei, stabile soziale Beziehungen auf allen betrieblichen
Ebenen zu fördern. Dabei ist Wertschätzung mehr, als der
Verzicht auf Diskriminierung und die Schaffung von Chancengleichheit
und Gleichstellung. Gegenseitige Wertschätzung fördert,
schätzt und nutzt individuelle Stärken sowie die Stärken,
die sich aus der Verschiedenheit der Belegschaft ergeben.
Um individuell, team-, abteilungs- und unternehmensweit Wertschätzung
zu leben, müssen Vorurteile abgebaut und Verständnis
gefördert, „Außenseiter(gruppen)“ integriert, Kommunikationsbarrieren
überwunden und Konflikte gelöst werden. Zur
Unterstützung der Einführung einer Wertschätzungskultur
wurden Wertschätzungstrainings entwickelt und erprobt.
 
In vielen Unternehmen sind bereits heute – spätestens aber in
5 Jahren – über 50 % der Belegschaft über 50 Jahre alt. Mit
der Alterung der Belegschaften geht eine Zunahme an Verrentungen
einher und damit auch der Verlust von Erfahrungswissen
und Know-How. Um die daraus resultierenden Belastungen
für die betrieblichen Abläufe so gering wie möglich zu halten,
kommt der frühzeitigen und systematischen Nachfolgeplanung
eine bedeutende Rolle bei der Gestaltung des demographischen
Wandels zu. Beispielsweise können Tandems aus Stelleninhaber/in und
Nachfolger/in mit verbindlichem Einarbeitungs- und Übergabeplan
gebildet oder Weiterbildungsmaßnahmen durchgeführt
werden.

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